Usability – der Qualitätsfaktor von erfolgreicher Software

Besonders bei Software sind Effizienz, Effektivität und Zufriedenheit der eigentlichen Nutzer die Größen, die eine erfolgreiche und somit auch wirtschaftliche Anwendung auszeichnen. All diese Faktoren wurden bereits als Messgrößen für Usability in einer ISO-Norm definiert. Doch wie erreicht man diese meist sehr schwer greifbaren Anforderungen in der Entwicklung interaktiver Systeme? Für viele Entwickler ist dies ein Mythos, der, wenn man es sich nur allzu sehr wünscht, womöglich in Erfüllung geht. Doch Usability kann gezielt erreicht werden.

Wer kennt es nicht, man öffnet eine Anwendung, hat ein spezielles Ziel vor Augen und weiß nicht, wie man dies mit Hilfe der Soft- ware erreichen soll. Man ist überfordert, ge- nervt und möchte das Programm am liebsten gleich wieder schließen.

Der Zweck bzw. der gewünschte Return-On-Invest, wofür die Anwendung überhaupt an- geschafft wurde: eine schnellere, zufrieden- stellendere und somit auch kosteneffizientere Bewerkstelligung von Arbeitsaufgaben, wird binnen kürzester Zeit infrage gestellt.

Der Grund für unsere Frustration ist meist bei den Anbietern interaktiver Systeme, insbe- sondere bei den Herstellern von Software zu finden, denn sie haben bei der Entwicklung zu wenig auf Usability geachtet.

Doch was genau ist Usability? Häufig wird Usability mit Benutzerfreundlichkeit gleich- gesetzt. Benutzerfreundlichkeit ist hingegen ein sehr unklarer Begriff, der häufig dazu ver- wendet wird, um das Produkt im Vergleich zu anderen am Markt befindlichen Lösungen beim Verbraucher hervorzuheben.

Eines sollte klar sein: Usability ist kein zu- sätzliches Feature, sondern ein Grundsatz. Erst wenn ein Produkt – sei es eine Fernbedie- nung, eine Software oder eine Website – nach diesem Grundsatz entwickelt wurde, ist es „usable“ und erfüllt den eigentlichen Zweck.

Nun stellt sich die Frage: Wie schafft man es, gebrauchstaugliche Produkte zu entwickeln? Usability kann nicht nur gezielt gefördert, sondern auch erreicht werden, wenn man sich an einen nutzerorientierten Gestaltungspro- zess hält: das sogenannte User-centered Design.

User-centered Design ist ein Modell, bei dem der spätere Anwender in den Mittelpunkt der Konzeption und Entwicklung gesetzt wird.

Leider ist es auch heute noch häufig der Fall, dass Software nach folgendem linearen Prinzip entwickelt wird: Es existieren Anforderungen an ein Projekt, die in Form eines Lasten- und Pflichtenheftes niedergeschrieben werden. Ist dieses Dokument von den Entscheidern ab- gesegnet worden, wird sofort mit der Umset- zung begonnen. Wird das Produkt nach Wo- chen oder Monaten isolierter Entwicklung fertiggestellt, folgt die Auslieferung.

So ist es meist unvermeidlich, dass das Sys- tem an den späteren Nutzern vorbei entwi- ckelt oder zu viel Wissen vorausgesetzt wird. Die Anwender sind verärgert und der Anbie- ter meist gezwungen, sehr kostspielige Ände- rungen vorzunehmen.

Doch wie schafft man es, den Nutzer in den Mittelpunkt zu setzen? Die Antwort ist rela- tiv einfach. Man bezieht ihn in allen Phasen der Entwicklung mit ein, sei es in der Anfor- derungsanalyse mit Hilfe von Interviews und Fokus-Gruppen oder in der späteren Ent- wicklung in Form von Prototypen und Usabi- lity-Tests. Der Nutzer sollte als Institution betrachtet werden, der man sich nicht entzie- hen kann, um Produkte so zu gestalten, dass sie zielgruppengerecht und einfach zu bedie- nen sind. Ein weiterer Unterschied ist die Abfolge. Ist sie beim traditionellen Vorgehen linear, ist sie beim User-centered Design hin- gegen zyklisch. Jede Phase wird mehrmals durchlaufen und mit dem Nutzer abgestimmt. Erst wenn der gewünschte Qualitätsgrad er- reicht ist, wird die Umsetzung konkreter. Denn eins ist klar: Fehler, die früh entdeckt werden, können kostengünstig behoben wer- den. Die Erfahrung zeigt, dass der Erfolg in den frühen Projektstadien gesichert wird und der Return-on-Invest gerade hier am höchs- ten ist. Die Vorteile des User-centered De- signs stehen also außer Frage. Durch diese Entwicklungsmethode werden interaktive Produkte so gestaltet, dass sie den Anforde-

rungen und Erwartungen der Anwender ent- sprechen. Aber nicht nur die Nutzer sind zu- friedener, sondern auch die Arbeitgeber durch effizientere Mitarbeiter und der Anbieter auf- grund eines qualitativ hochwertigeren Produkts und des damit verbundenen Imagegewinns.